Warum wir KI-Events bewerten.
- Claudia Laempe

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Und wie.
Sechs Dimensionen. Sechs Symbole. Ein Score. Hier legen wir offen, was wir messen, warum wir es messen — und nach welchen Regeln.
Der KI-Event-Markt in Deutschland boomt. Jede Woche ein neuer Workshop, ein neues Bootcamp, ein neuer Summit. Aber niemand misst, ob sie etwas taugen. Bis jetzt.
Fünf Gründe, warum KI-Gourmet existiert
1. Qualitätsvakuum
IHKs, Wirtschaftsförderungen, Agenturen, Verbände, Freelancer — alle veranstalten KI-Events. Die Qualitätsspanne ist enorm. Es gibt brillante Formate, die Unternehmen tatsächlich weiterbringen. Und es gibt zwei Stunden PowerPoint-Karaoke, nach denen niemand etwas anders macht als vorher. Das Problem: Von außen sieht beides gleich aus. Gleiche Titel, gleiche Buzzwords, gleiche Versprechen. Es gibt keinen unabhängigen Maßstab, der vorher sagt, was sich lohnt — und nachher sagt, was gefehlt hat.
2. Veranstalter bekommen kein ehrliches Feedback
Nach einem Workshop gibt es höflichen Applaus und einen Feedback-Bogen mit Smileys. Vier von fünf Sternen, „war ganz nett". Kein Veranstalter erfährt auf diesem Weg, dass der EU AI Act komplett fehlte. Dass das Networking-Potenzial verschenkt wurde. Dass kein Kaffee um 16 Uhr bei einem Workshop über kognitive Technologien eine gewisse Ironie hat. KI-Gourmet liefert das Feedback, das niemand gibt — aber alle brauchen.
3. KMU brauchen Orientierung
Wenn ein Geschäftsführer mit 12 Mitarbeitern einen halben Arbeitstag investiert, um zu einem KI-Workshop zu fahren, dann ist das keine Kleinigkeit. Das sind vier Stunden Produktivität, plus Fahrtzeit, plus den mentalen Bruch im Tagesgeschäft. Für dieses Investment verdient er vorher eine Einschätzung, ob es sich lohnt — und nachher eine Bestätigung, ob das Versprochene geliefert wurde.
4. Angstmacherei statt Aufklärung
Auf zu vielen KI-Events wird mit der Angst der Teilnehmer gearbeitet. „In fünf Jahren gibt es Ihren Arbeitsplatz nicht mehr." Solche Sätze fallen auf Bühnen, ohne Quelle, ohne Kontext, ohne Einordnung. Unternehmer gehen mit Panik nach Hause statt mit einem Plan. Ungeprüfte Behauptungen, die in die Einbahnstraße führen — wer KI nicht sofort einsetzt, ist erledigt — sind keine Aufklärung. Sie sind das Gegenteil. KI-Gourmet bewertet, ob ein Event informiert oder manipuliert. Ob es Handlungsfähigkeit herstellt oder Hilflosigkeit.
5. Transparenz als Prinzip
Wer bewertet, muss sich selbst bewertbar machen. Deshalb veröffentlichen wir hier die gesamte Methodik — jede Dimension, jede Gewichtung, jede Schwelle, jede Formel. Kein Blackbox-Urteil. Wer unseren Score nachrechnen will, kann das tun. Wer unsere Gewichtung für falsch hält, kann das begründen. Wir laden dazu ein.
Wer Qualität fordert, muss Qualität definieren. Wer Qualität definiert, muss sie offenlegen.
Das KG-Bewertungssystem für Ihr KI-Event
Jedes KI-Event wird in sechs Dimensionen bewertet. Jede Dimension hat ein eigenes Symbol aus der kulinarischen Welt — weil wir KI-Events behandeln wie ein Restaurantkritiker ein Menü: mit Respekt, aber ohne Gefälligkeit. Und jede Dimension beantwortet eine eigene W-Frage.
🍳
Dimension A
Pfannen — Fachwissen
„Was wird gekocht?"
Was steckt inhaltlich drin? Welche Themen, welche Tiefe, welche Tools? Werden regulatorische Anforderungen adressiert? Ist das Wissen aktuell oder veraltet?
Skala: 0–10 Pfannen · Gewicht: 30%
★
Dimension B
Sterne — Didaktik
„Wie wird gekocht?"
Wie wird das Wissen vermittelt? Gibt es Interaktion, Übungen, Gruppenarbeit? Oder nur Frontalvortrag? Wird Transfer ermöglicht — nimmt der Teilnehmer etwas Anwendbares mit?
Skala: 0–20 Sterne · Gewicht: 25%
🍽️
Dimension C
Teller — Infrastruktur
„Worauf wird serviert?"
Worauf wird präsentiert? Raum, Technik, WLAN, Bestuhlung, Akustik. Die Bühne, auf der Inhalte ankommen müssen. Ein gutes Menü auf einem Pappteller verliert.
Skala: 0–5 Teller · Gewicht: 10%
📊
Dimension D
KG-Sensorik-Index — Verpflegung
„Wie schmeckt es?"
Wie gut ist die Verpflegung? Aussehen, Geruch, Konsistenz, Geschmack und Ernährungseignung. Kaffee um 16 Uhr ist kein Luxus.
Skala: 0–5 (Sensorik-Index) · Gewicht: 5%
🪑
Dimension E
Stühle — Netzwerk
„Mit wem sitzt man am Tisch?"
Mit wem kommt man ins Gespräch? Gibt es strukturiertes Networking, Teilnehmervernetzung, Community-Kanäle? Oder geht jeder allein nach Hause? Der Wert eines Events liegt oft mehr im Flur als im Saal.
Skala: 0–25 Stühle · Gewicht: 15%
🔥
Dimension F
Flammen — Vision
„Wozu kommt man wieder?"
Brennt das Erlebnis nach? Gibt es einen emotionalen Nachhall, eine Vision, einen Call-to-Action? Oder vergisst man den Workshop auf der Heimfahrt? Flammen messen die Inspiration.
Skala: 0–20 Flammen · Gewicht: 15%
Die Formel
Jede Dimension wird einzeln bewertet, auf ihren Maximalwert normiert und mit ihrer Gewichtung multipliziert. Die Summe ergibt den KG-Score — eine Zahl zwischen 0 und 100.
KG-Indexverfahren
KG_total = Σ [(R_i / Max_i) × W_i × 100]
R_i ist der Rohwert der Dimension, Max_i das Maximum, W_i die Gewichtung. Keine Blackbox — jeder Schritt ist nachvollziehbar, jede Zahl transparent.
Die Gewichtung spiegelt unsere Überzeugung: Fachwissen (30%) und Didaktik (25%) machen zusammen über die Hälfte des Scores aus. Ein KI-Event kann einen schlechten Raum und mittelmäßige Brezeln haben — aber wenn der Inhalt stimmt und die Vermittlung funktioniert, ist das verzeihlich. Umgekehrt nicht.
Das KG-Siegel
Aus dem KG-Score leiten wir das KG-Siegel ab — die Gesamtauszeichnung. Es gibt drei Stufen, und die Schwelle ist bewusst hoch gesetzt. Ein Event muss mindestens 65 von 100 Punkten erreichen, um überhaupt ausgezeichnet zu werden.

Warum 65 als Schwelle? Weil ein Event, das nur die Hälfte dessen liefert, was möglich wäre, keine Auszeichnung verdient. Das KG-Siegel soll etwas bedeuten. Wer es bekommt, hat etwas geleistet. Wer es nicht bekommt, weiß warum — und bekommt von uns konkrete Empfehlungen, wie er es beim nächsten Mal erreicht.
Was wir nicht sind
Wir sind kein TÜV. Keine Zertifizierungsstelle. Keine Behörde. Unsere Bewertungen sind subjektive Fachurteile — Meinungsäußerungen auf der Grundlage eines dokumentierten Bewertungsverfahrens. Wir erheben keinen Anspruch auf absolute Objektivität. Wir erheben den Anspruch auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Fairness.
Jeder Veranstalter erhält das Gutachten vor Veröffentlichung — mit der Möglichkeit zur Stellungnahme. Jede Stellungnahme wird dokumentiert. Wir bewerten Formate, nicht Personen. Und wir erkennen an, was gut ist, bevor wir benennen, was fehlt.
Wir sind streng, weil wir glauben, dass KI-Events besser sein können. Nicht, weil wir glauben, dass sie schlecht sein müssen.
Ihr Event. Unser Maßstab.
Sie veranstalten ein KI-Event und wollen wissen, wo Sie stehen? Oder Sie planen die Teilnahme und suchen Orientierung? Wir bewerten unabhängig, systematisch und transparent.



Kommentare